Die heimelige Kirche in Weiler ist am Faschingssonntagabend voll besetzt - in Erwartung eines abwechslungsreichen und „vergnüglichen” Abends, wie Pfarrer Jörg Kohler-Schunk in seiner Begrüßung ankündigt.
Für den jungen Organisten Gregor Engelhardt – er hat hier ein Heimspiel -, Student der Kirchenmusik und leidenschaftlicher Orgelimprovisateur, so kreativ wie virtuos, hat zu einer musikalischen Europa- und Zeitreise geladen.
Im Laufe diverser Auslandsaufenthalte hat er viele zeit- und ortstypische Orgeln und dadurch geprägte Kompositionen kennengelernt, von denen er einige auf der prächtigen, aber dringend sanierungsbedürftigen Mühleisen-Orgel präsentiert - bei einigen Musikstücken eine Herausforderung.
Nach einer Stippvisite mit Andrea Gabrieli im Venedig des 16. Jahrhunderts geht es mit einer Improvisation des bekannten „Greensleeves” ins elisabethanische England. Sehr hell und schlicht die Melodie, zurückhaltend begleitet, wodurch der „verschnupfte” Klang der Orgel besonders auffällt und allen Werken einen besonderen Charakter verleiht.
Nach dem gemeinsam gesungenen „Nun saget Dank und lobet den Herrn” bleibt Engelhardt mit einer Choralfantasie-Improvisation aus Norddeutschland/Niederlande in derselben Zeit, etwa um 1550. Auffallend verschnörkelte Passagen im oberen Bereich werden als tieferes Echo wiederholt, was in Weiler durch „geteilte Schleifen” begrenzt möglich ist. D.h., durch das Ziehen bestimmter Register lässt sich mit Einschränkung eine mehrmanualige Orgel imitieren.
Sehr komplex, sehr voluminös, ja raumfüllend, ist das Werk des Andalusiers Francisco Correa de Arauxo, dessen stark rhythmische Passagen nahezu modern wirken. Ungewohnt dagegen das „Te Deum“ von Marc-Antoine Charpentier, das man als triumphales Orchesterwerk kennt. Auf nur einem Manual wirkt Engelhardts flott gespielte Version dagegen gefällig, aber eher schlicht.
Mit 14,5° C herrscht die ideale Raumtemperatur für eine Improvisation im Stil des französischen Organisten Nicolas de Grigny, wofür wieder die geteilten Schleifen notwendig sind. Bei dem kraftvollen Werk kommt dem Trompetenregister im Bass eine Hauptaufgabe zu - und bei der Temperatur klingt es am besten.
Wunderschönes Vogelgezwitscher im „Frühling” aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten”, Getragenes über Bach, Fröhlicheres im Stile Mozarts werden gefolgt von dem „Prélude” von Edmond Lemaigre: ausdrucksstark, lebhaft, mit ausgeprägtem Spiel der Pedale - und immer wieder Passagen zwischendurch, die an französische Jahrmarktsmusik erinnern.
Nach einem improvisierten „Württemberg-Lied” versetzen authentisch wirkende Dudelsackklänge, die die Vielseitigkeit des Instruments zeigen, die Zuhörer ins schottische Bergland, in die „Highland Cathedral”.
Noch einmal dürfen alle gemeinsam singen, „Meine Hoffnung und meine Freude”. Der riesige stehende Beifall macht klar: Ohne Zugabe lässt man den jungen Maestro nicht von der Empore.
„Freude schöner Götterfunken” erklingt als perfekter Abschluss eines wunderbaren, sicher von Funken der Euterpe inspirierten Abends.
Bild und Artikel von Helga El-Kothany
